Mit anderen ... und alleine.

„Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft.“ (D. Bonhoeffer). Gedanken von Pfarrer Michael Büttner

Corona-Zeit heißt, dass die alltägliche Gemeinschaft mit Menschen in Frage steht. Wen kann, wen darf ich noch sehen – und berühren? Ausgangsbeschränkungen sind gekommen, wie werden die Menschen reagieren, wie es ertragen? Bonhoeffer meint, dass Menschen aus Furcht vor Einsamkeit die Gemeinschaft suchen. Weil sie nicht allein sein können, treibt es sie unter Menschen. Harsch sagt er: „Die christliche Gemeinschaft ist kein geistliches Sanatorium.“ Er weiß auch, dass Gemeinschaft nötig ist: „Wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein.“ Wir haben jetzt beide Aufgaben neu. Wir suchen gerade als Kirche nach Möglichkeiten der Gemeinschaft in Abstands-Zeiten. Besonders die digitalen Möglichkeiten sollen Menschen verbinden. Das ist gut und richtig, aber: Würde Bonhoeffer hier die Gefahr sehen, dass wir nicht Gemeinschaft, sondern den „Rausch“ suchen, der die Vereinsamung für kurze Zeit vergessen lässt? Vielleicht übersehen wir gerade die andere Seite etwas: Übungen für die Einsamkeit. Einsamkeit gehört für Bonhoeffer zum Glauben und zum Menschsein. „Allein standest du vor Gott, als er dich rief, allein musstest du dem Ruf folgen, … kämpfen, beten, … und allein wirst du sterben und Gott Rechenschaft geben. Du kannst dir selbst nicht ausweichen, denn Gott hat dich ausgesondert.“ Bonhoeffer benennt als zentrales Element das Schweigen. Und er sieht feste Zeiten dafür vor, die jeder Christ für sich allein braucht. Für die Schriftbetrachtung, das Gebet und die Fürbitte. Ich nehme das als Anregung, dass ich in Corona-Zeiten nicht nur nach alternativen Gemeinschaftsformen suche, sondern auch Einsamkeit positiv übe. Ich möchte lernen, einfach ´mal da zu sitzen. Ich bin da - mit mir. Und ich warte, was sich mir auftut an Fülle oder Abgründen, oder Annäherung an Gott.